DIE KÖNIGSBRÜCKER HEIDE
- mehr als
ein Nationalpark
Wildnis vor den Toren Dresdens
Sachsens größtes zusammenhängendes Naturschutzgebiet (NSG), die
"Königsbrücker Heide", hält
mit fast 7000 ha Fläche die
besten Voraussetzungen für eine sekundäre Wildnis bereit. Nach ca. 90
Jahren preußischer,
deutscher und sowjetischer Militärübung mit teilweise sehr schwerem
Fahr- und Schießgerät wurde das Gebiet 1992 unter Schutz gestellt.
Seitdem richtet sich der Naturhaushalt hier weitestgehend ohne
menschlichen Einfluss nach seiner
eigenen Gesetzmäßigkeit ein.
Wildnisgebiete sind eine eigene Kategorie
der 'Weltnaturschutzorganisation' IUCN
(besteht aus Regierungs-
und Nichtregierungsorganisationen). Sie ist eine Fortschreibung der
Schutzgebietsart Nationalpark. Grundlegend
sind alle Landnutzungsformen wie Siedlungs- und Verkehrsbau, Wasser-,
Land-, Forstwirtschaft
und Bergbau sowie der Jagdbetrieb ausgeschlossen. Auch sollen keine naturschutzfachlichen
Pflegeeingriffe oder Renaturierungen Oberhand behalten und der
Tourismus ist ausgeschlossen. Jeder hat jedoch die Möglichkeit
die Königsbrücker Heide mit einer Busführungen
der Gebietsbetreuung oder per 'Biberpfad'
kennen zu lernen.
In ihrer Gesamtheit erreicht
die Königsbrücker Heide die Kriterien der höchsten
Schutzkategorie 1b (Wildnisgebiet) bei der IUCN. Die Anerkennung ist in Prüfung.
Von den 14 deutschen Nationalparken
erreichen hingegen nur drei die IUCN-Kategorie 2 (Nationalpark).
Ursache
sind meist zu große Flächenanteile die nicht sich selbst
überlassen werden (Jagd, Waldumbau, Tourismus, Pflegemaßnahmen). Hieran
wird deutlich,
dass das Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide bei der Strategie
'Natur Natur sein
lassen' selbst gegenüber den meisten deutschen Nationalparken
voraus geschritten ist.
"Eingefleischte
Akteure sehen in diesem komplexen
und konsequenten Schutzanliegen ein gewagtes Experiment. Sie meinen,
ohne ihre
professionellen Manipulationen erleide die Natur, insbesondere die
Waldnatur,
nur Schaden. Wie in uralten Tagen billigen sie unserer Heimatnatur
keinen
Eigenwert zu, sondern erst dann, wenn sie der Wertschöpfung dienlich
ist. Sie
plädieren daher dafür, dass es vollauf genügt, den Naturschutz in die
Landnutzung zu integrieren. Die Hinwendung zu einer naturschonenden
Wirtschaftsweise
im Sinne des Nachhaltigkeitsgebotes ist verdienstvoll und
anerkennenswert, aber
mit Naturgüterschutz und Naturschonung allein kann man die viel
komplexeren
Aufgaben des heutigen Naturschutzes nicht lösen. Das Vorhandensein
spezieller, möglichst
nutzungsfreier und störungsarmer Schutzgebiete anzuzweifeln und alle
Versuche,
getroffene internationale Vereinbarungen durch praktizierten
Etikettenschwindel
aufzuweichen, sollte eigentlich längst der Vergangenheit angehören. Dem
ist
leider nicht so."
Heinz Kubasch in
'Der Natur eine Chance'
Neuerscheinung
September
2006:
Heinz
Kubasch, Initiator des Naturschutzgebietes Königsbrücker Heide, stellt
auf rund 250 reich bebilderten und Informationsgefüllten Seiten diese
einzigartige Landschaft und die Realisierung der Vision von Wildnis in
Mitteleuropa vor.
Der
Natur eine
Chance - von der Militärbrache zum Wildnisgebiet Königsbrücker
Heide
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Natürlicher
Verlauf der Pulsnitz
Die Fließgewässer
im NSG sind inzwischen
fast flächendeckend vom Biber besiedelt
Wolkenstau an der Königshöhe
Der Übergang vom
norddeutschen Tiefland zum Mittelgebirgsraum ist eine der
standörtlichen Besonderheiten der Königsbrücker Heide
Offenland trotz fast 15 Jahren Sukzession
Im NSG bleiben weite Flächen waldfrei, was der gängigen
Lehrmeinung vom Waldkontinent Europa widerspricht. Antwort könnte die
'Megaherbivoren-
theorie' sein. Schlüssel zur unberührten Entwicklung dieses
landschaftsökologischen Aspektes sind von Jagd verschonte
Wildpopulationen
Laubfrosch auf Heidekraut in einem
Sandmagerasen
Stand: 15.
Oktober 2006
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